REDEFINING EUROPE-AFRICA RELATIONS

REDEFINING EUROPE-AFRICA RELATIONS
Robert Kappel, Brussels, Berlin 2021: FES. Working Paper

click here for pdf file: http://library.fes.de/pdf-files/bueros/bruessel/17306.pdf

The European Union’s (EU) relations with the African conti­nent are facing a distinct set of challenges. Contrary to the expectations of both African and European governments, the pending negotiations between the partners are now being put to the test like never before. The global spread of Covid-19 has led to economic crises throughout the world – and the African continent is no exception. Interna­tional organisations, the EU, and African institutions alike consider the economic and health crisis to be more serious than the 2008 / 2009 global financial crisis. This new eco­nomic crisis also impacts Europe’s relations with Africa. The EU-African Union Summit, originally scheduled for October 2020 but now postponed until 2021, will be overshadowed by the global coronavirus crisis.

There is a significant risk that Africa-Europe relations will not attract as much interest as other global developments, with the USA, Europe and China too busy dealing with their own challenges.

The crisis has shown that the prevailing asymmetry is no longer acceptable as we move into the future. Now is the time for both sides to work together on finalising the much-needed reform packages and to recalibrate Europe’s cooperation with Africa. To pave the way for these re­forms, the EU Commission’s plans for negotiations on fu­ture cooperation must be overhauled, particularly in relation to trade and economic relations, value chain integration, and the focus on job creation and poverty alleviation. Last but not least, cooperation on the issue of sustainability must be adjusted, especially against the backdrop of the climate catastrophe, which, besides hindering growth and causing job losses, poses a threat to agriculture and food supply on the African continent.

The concepts presented by the EU in March 2020 do not adequately address the challenges on the African conti­nent and are not in Europe’s strategic interest. Instead, what in fact needs to happen is for the EU to anticipate the developments on the African continent and recognise just how urgent it is to change course. Whether or not the Ger­man (and Portuguese) EU Council Presidency along with the other Member States and the EU Commission will be able to give this discussion the requisite impetus will only become clear in the coming months leading up to the EU-Africa Summit.

This paper begins by describing the EU’s current economic relations with Africa (Chapter 1), which have been on a downward trajectory for quite some time already. The ef­fects of the Covid-19 pandemic are then outlined in Chap­ter 2. Chapter 3 looks at the cooperation agenda with a particular focus on the new comprehensive EU-Africa Strategy »Towards a Comprehensive Strategy with Africa« (CSA). Chapter 4 outlines the key aspects of strategic co­operation between the EU and Africa.

http://library.fes.de/pdf-files/bueros/bruessel/17306.pdf

Alemanha: Política africana entre a pandemia e a campanha eleitoral

Deutsche Welle, 29.1.2021

https://www.dw.com/pt-002/alemanha-pol%C3%ADtica-africana-entre-a-pandemia-e-a-campanha-eleitoral/a-56386690

Alemanha: Política africana entre a pandemia e a campanha eleitoral

Os objetivos da política alemã em África são claros: promover o investimento privado e a prosperidade no continente. Mas a Covid-19 abalou a economia, levantando questões sobre o futuro da política africana de Berlim………

……

Um novo Governo terá novas prioridades?

Mas não se sabe ao certo quanto tempo e energia o Governo alemão ainda irá dedicar a África durante a campanha eleitoral.

„A campanha será dominada pela luta contra a pandemia e as suas consequências económicas e sociais. A política africana será empurrada ainda mais para segundo plano“, disse à DW o pesquisador alemão Robert Kappel.

Muitos programas, como o Pacto com África ou o Plano Marshall para África, são concebidos para o longo prazo. Concentram-se em reformas na Alemanha e em África. Muitos já foram iniciados, mas estão longe de implementados.

O Pacto, por exemplo, centra-se nas reformas nos países parceiros africanos: combater a inflação e a corrupção, e reduzir os défices orçamentais. „É importante que as parcerias de reforma sejam reforçadas e continuadas. Os empresários só sentirão os seus investimentos protegidos se houver reformas contínuas „, diz o especialista do ACET, Rob Floyd.

Ninguém sabe ao certo, no entanto, se um novo Governo federal estará na disposição de continuar a financiar e a apoiar os programas.

Deutsche Afrikapolitik zwischen Corona und Wahlkampf

Deutsche Afrikapolitik zwischen Corona und Wahlkampf

Deutsche Welle, 29.1.2021

https://www.dw.com/de/deutsche-afrikapolitik-zwischen-corona-und-wahlkampf/a-56382754

Privatinvestitionen fördern, Arbeitsplätze schaffen, Wohlstand in Afrika: Das sind die Ziele deutscher Afrikapolitik. Dann kam Corona und die Wirtschaft brach ein. Bald gehen auch noch zwei prominente Akteure von Bord.

Ein wichtiger Termin fehlte vergangenes Jahr im Kalender der Kanzlerin: Der obligatorische Gipfel mit afrikanischen Staatschefs und Deutschlands Wirtschaftselite fand nicht statt. Seit 2017 gehörten die Treffen zur Routine im politischen Berlin.

Viele Investitionszusagen hätten die deutschen Firmen ohnehin nicht machen können. „Die Corona-Pandemie hat in Afrika durch den angeordneten Lockdown in fast allen Ländern und den Folgen der Maßnahmen, die wir zur Bekämpfung der Pandemie ergriffen haben, erhebliche Auswirkungen“, sagt Günter Nooke, Afrikabeauftragter der Bundeskanzlerin, zur DW.

Das wirkt sich auch auf die Aktivitäten der Unternehmen aus. „Für 2020 war ein regelrechtes Afrikajahr geplant. In der Hinsicht war der Einbruch [durch Corona] dramatisch„, sagt Tilo Halaszovich, Wirtschaftsprofessor an der Jacobs University Bremen zur DW. In einer Studie hat er 100 deutsche Unternehmen befragt, die in Afrika Geschäfte machen. Ergebnis: 75 Prozent wollten 2020 eigentlich ihre Aktivitäten auf dem Kontinent ausbauen. Am Ende waren es Pandemie-bedingt gerade mal 13 Prozent.

Exporte und Handel gehen zurück

Auch Zahlen der Deutschen Bundesbank verheißen wenig Gutes: Die deutschen Netto-Direktinvestitionen in Subsahara-Afrika lagen von Januar bis September 2020 bei 698 Millionen Euro – rund 171 Millionen niedriger als im gleichen Zeitraum 2019.

Ausländische Firmen halten sich wegen der Corona-Krise mit Investitionen in Afrika zurück

Die Bundesregierung will trotzdem an ihrer Politik festhalten. „Die Konzentration auf Investitionen privater Unternehmen in Afrika, die Konzentration auf einen selbsttragenden Wirtschaftsaufbau bleibt richtig, egal welche Pandemie uns noch erreicht, oder wie stark Covid-19 jetzt noch wirkt“, sagt Günter Nooke.

Auch viele deutsche Firmen haben mit Afrika nicht abgeschlossen. Die Unternehmen seien in einer Art Wartestellung, sagt Wirtschaftsforscher Halaszovich. Was die Bundesregierung aus seiner Sicht nutzen soll, um nach dem Ende der Pandemie möglichst viele Firmen schnell wieder nach Afrika zu holen: „Was ich mir wünschen würde, wären kleinteilige, schnelle Unterstützungsmaßnahmen mit relativ geringen Hürden auf administrativer Seite. Die Nachfrage wird da sein“, sagt Halaszovich.

Im Wahlkampf wird Afrika keine Rolle spielen

Doch das genügt nicht, um zusätzliche Unternehmen nach Afrika zu holen. Genau das ist allerdings erklärtes Ziel im politischen Berlin. Denn bisher investieren deutsche Firmen kaum auf dem Kontinent. „Deutschland sollte weiterhin und verstärkt Möglichkeiten präsentieren, die für deutsche Firmen attraktiv sind und die benötigten Jobs in Afrika schaffen“, sagt Rob Floyd vom African Center for Economic Transformation (ACET) in Ghana zur DW.

Dazu gehören die Investmentkonferenzen mit afrikanischer Polit-Prominenz, aber auch Programme, die der Öffentlichkeit meist verborgen bleiben.  Zum Beispiel haben Wirtschafts- und Entwicklungsministerium umfangreiche Beratungsnetze aufgebaut, die deutsche Firmen über Marktchancen und Fördermöglichkeiten informieren.

Entwicklungsminister Gerd Müller wird seinen Posten nach der Bundestagswahl räumen

Doch unklar ist, wie es mit der Afrikapolitik und den Programmen langfristig weitergeht. Im September sind Bundestagswahlen. Mit Kanzlerin Angela Merkel und Entwicklungsminister Gerd Müller haben ausgerechnet die prominentesten Architekten der neuen Afrikapolitik ihren Abschied angekündigt.

„Die Dinge, die angestoßen wurden, das veränderte Denken, die stärkere Ausrichtung auf wirtschaftliche Entwicklung, auf Privatinvestitionen, auf Infrastrukturausbau – das darf und das wird nicht nur an der Bundeskanzlerin oder an Entwicklungsminister Müller hängen“, versucht der Afrikabeauftragte Nooke zu beruhigen. Fakt ist: Auch viele Akteure in den Berliner Ministerien, bei Wirtschaftsverbänden und Entwicklungsorganisationen, die die neue Afrikapolitik im Hintergrund mitgestaltet haben, dürften bleiben.

Welche Akzente wird die neue Bundesregierung setzen?

Trotzdem ist unklar, wie viel Zeit und Energie die Bundesregierung während des Wahlkampfs noch für Afrika aufwenden will. „Vor allem die Beseitigung der Pandemie und die wirtschaftlichen und sozialen Folgen werden den Wahlkampf bestimmen. Die Afrika-Politik gerät noch weiter in den Hintergrund“, sagt der deutsche Afrikawissenschaftler Robert Kappel zur DW.

Und: Viele Programme, wie der Compact with Africa, oder auch der Marshallplan mit Afrika sind langfristig angelegt. Sie setzten auf Reformen in Deutschland und Afrika. Viele sind angestoßen, aber noch lange nicht umgesetzt.

Viele afrikanische Länder haben enormen Bedarf an neuer Infrastruktur – zum Beispiel Mosambik

Der Compact setzt zum Beispiel auf Reformen in den afrikanischen Partnerländern: Bekämpfung der Inflation, Korruption, Abbau von Haushaltsdefiziten: „Wichtig ist, dass die Reformpartnerschaften gestärkt und weitergeführt werden. Nur durch fortwährende Reformen werden sich Investoren sicherfühlen und Investitionen weitergehen“, sagt ACET-Experte Floyd.

Doch ob eine neue Bundesregierung die Programme weiter finanzieren und unterstützen will, weiß niemand.

Chinesische Impfstoff-Diplomatie in Afrika

Chinesische Impfstoff-Diplomatie in Afrika

WDR 5 Politikum – Gespräch. 11.01.2021. 06:26 Min.
Andrea Oster im Gespräch mit Robert Kappel

Neue Währung: Impfstoff: China will Impfstoffe für Entwicklungsländer zu erschwinglichen Preisen verfügbar machen. Das ist aber keine großzügige Geste, sondern geopolitisches Kalkül, sagt der Afrikaexperte Robert Kappel.

https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-politikum-gespraech/audio-chinesische-impfstoff-diplomatie-in-afrika-100.html

Sambia kann einen Teil seiner Kredite nicht mehr zahlen. Afrika droht eine neue Schuldenkrise

https://www.nzz.ch/wirtschaft/schuldenkrise-in-afrika-sambia-ist-teilweise-zahlungsunfaehig-ld.1590907
Sambia kann einen Teil seiner Kredite nicht mehr zahlen. Der Fall zeigt: Afrika droht eine neue Schuldenkrise
Vanessa Möller, Neue Zürcher Zeitung 6.1.2021

Image

Sambia ist das erste afrikanische Land, das im Zuge der Corona-Krise teilweise zahlungsunfähig geworden ist. Doch auch andere Staaten des Kontinents stehen kurz vor einer Schuldenkrise. Die Stundung öffentlicher Kredite hilft dabei nur teilweise. Vanessa Möller 07.01.2021

Die sambische Regierung hat Mitte November bekanntgegeben, fällig gewordene Schulden nicht an ausländische Gläubiger zurückzahlen zu können. Damit ist Sambia das erste und bisher einzige afrikanische Land, das im Zuge der Corona-Krise teilweise zahlungsunfähig geworden ist. Doch auch andere Länder des Kontinents befinden sich in einer kritischen Schuldensituation. Das beunruhigt internationale Gläubiger und Institutionen wie die Weltbank oder den Internationalen Währungsfonds (IMF).

Die meisten Sambier dagegen zeigen sich unbeeindruckt. «Bisher hat es noch keinen Aufstand oder Proteste gegeben», sagt Muchimba Siamachoka, die sich als Programmbeauftragte des Jesuit Centre for Theological Reflection (JCTR) in der sambischen Hauptstadt Lusaka mit dem Thema befasst. Das hänge jedoch auch damit zusammen, dass viele Sambier nicht verstünden, dass es problematisch sei, wenn ihre Regierung sich so stark verschulde. Das JCTR forscht unter anderem zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung Sambias.

Infrastrukturprojekte dienen dem Ansehen des Präsidenten

Fritz Kopsieker vertritt die deutsche Friedrich-Ebert-Stiftung in Sambia und nennt einen weiteren Grund, weshalb die Sambier sich bis anhin ruhig verhalten. Da sich die ausgesetzten Schuldzahlungen auf ausländische Gläubiger bezögen, sei der Staat im Land handlungsfähig und weitgehend liquide. «Öffentlich Bedienstete erhalten ihr Gehalt meist nur leicht verspätet, zahlreiche Strassen in Lusaka werden verbreitert und neu geteert», schreibt Kopsieker auf Anfrage. In den vergangenen Monaten habe Präsident Edgar Lungu zudem unter anderem zwei grosse Strassenüberführungen eröffnet.

Siamachoka vom JCTR bestätigt, dass ein Grossteil des geliehenen Geldes in Infrastrukturprojekte fliesse. Das sei auch ein Grund, wieso die Sambier Schulden nicht schlecht fänden. «Der Bau von Strassen kommt ihnen schliesslich zugute», sagt Siamachoka. «Viele sehen aber nicht, dass diese Strassen oft nach wenigen Jahren wieder in einem sehr schlechten Zustand sind und die Schulden trotzdem zurückgezahlt werden müssen.»

Was die Sambier allerdings merken, ist die Abwertung ihrer Währung. Der Kwacha (K) hat seit Januar 2020 gegenüber dem Dollar über 40% an Wert verloren. Waren und Dienstleistungen sind teurer geworden, das Niveau der Löhne dagegen stagniert. Diese Abwertung verteuert auch die Rückzahlung der Schulden, denn die meisten Kredite wurden in Dollar vergeben. Für 1000 $ Zinsen musste die sambische Regierung vor einem Jahr noch rund 14 200 K zahlen. Heute sind es über 21 000 K.

Sambias wirtschaftliche Situation ist seit Jahren schlecht

Dass Sambia teilweise zahlungsunfähig geworden ist, hängt nur zu einem Teil mit der Corona-Krise zusammen. Dem Land ging es schon vor der Pandemie wirtschaftlich schlecht, die weltweite Krise hat die Entwicklung lediglich beschleunigt. Das zeigt sich auch, wenn man die Gelder, die in die Tilgung und in Zinszahlungen für ausländische Schulden fliessen, mit den staatlichen Einnahmen vergleicht. Generell geht man davon aus, dass ein Land ein Schuldenproblem hat, wenn der Auslandschuldendienst bei über 20% der staatlichen Einnahmen liegt. In Sambia lag dieser bereits 2016 bei etwa 20%, laut Prognosen der Weltbank wird er 2022 auf fast 50% steigen.

Sambia hat seit Jahren ein Schuldenproblem

Die schlechte wirtschaftliche Lage Sambias hängt vor allem damit zusammen, dass das Land stark von Rohstoffen abhängig ist. Bei 60 bis 70% der Gesamtexporte handelt es sich um Kupfer, ein Grossteil der staatlichen Einnahmen wird mit diesem Produkt generiert. Diese Einnahmen sind entsprechend vom Kupferpreis und von der weltweiten Nachfrage abhängig und schwanken stark. Zwar ist der Kupferpreis zurzeit relativ stabil, doch ist durch die Corona-Krise die Nachfrage nach dem Metall stark eingebrochen.

Auch der deutsche Wirtschaftswissenschafter und Afrika-Experte Robert Kappel sieht die einseitig ausgerichtete Wirtschaft Sambias als Problem. «Das Land hat es in den vergangenen Jahrzehnten nie geschafft, sich zu diversifizieren», sagt er am Telefon. Das werde Sambia nun zum Verhängnis. Erschwerend komme hinzu, dass die multinationalen Konzerne, welche die Kupferminen betrieben, die hohen Gewinne teilweise über illegale Transfers aus Sambia schafften und so ihre Steuerabgaben minimierten.

Afrika ist auf dem Weg in eine Schuldenkrise

Die fehlende Diversifizierung der Wirtschaft ist nicht nur in Sambia ein Problem. Viele afrikanische Länder sind extrem abhängig von Rohstoffen wie Kupfer, Eisenerz, Platin oder Erdöl. Laut einer Analyse des IMF von Ende November haben neben Sambia 20 weitere afrikanische Staaten Zahlungsschwierigkeiten oder ein «hohes Risiko», aufgrund ihrer Gesamtschulden zahlungsunfähig zu werden. Das bedeutet, dass sowohl inländische als auch ausländische Schulden und die Wahrscheinlichkeit ihrer Rückzahlung betrachtet wurden. Da Sambia bis jetzt lediglich einen Teil seiner ausländischen Schulden nicht zurückzahlen kann und somit nicht mit Blick auf die Gesamtschulden in Zahlungsschwierigkeiten steckt, wird es vom IMF lediglich mit einem «hohen Risiko» eingestuft.

Deutsche Autobauer nehmen Afrika ins Visier

Immer mehr Menschen und nur wenig neue Autos. Die deutschen Autobauer hoffen, dass sie in Zukunft in Afrika viele Autos verkaufen können. Bis dahin gibt es einige Hürden zu überwinden.

Deutsche Autobauer nehmen Afrika ins Visier
Deutsche Welle 6.1.2021, Insa Wrede
https://www.dw.com/de/afrika-autoindustrie-deutsche-autobauer-vda-automarkt/a-56134361

Wenn es um den Automarkt geht, dann ist Afrika nur ein ganz kleines, unbedeutendes Licht im Vergleich zu China. Das ist allerdings kein Grund, die Region links liegen zu lassen, glaubt man beim deutschen Verband der Automobilindustrie (VDA). Auch China war einmal sehr unbedeutend für die hiesigen Autobauer. Heute dagegen gilt: Wer erfolgreich sein will, der muss vor allem in China verkaufen.

Deutsche Autobauer wollen in Afrika investieren

Aber: Was nicht ist, kann ja noch werden. Nach diesem Motto engagiert sich die deutsche Autoindustrie zunehmend in Afrika. „Jeder große Markt hat mal klein angefangen“, meint Kurt-Christian Scheel vom Verband der Automobilindustrie (VDA). Denn immerhin gebe es in Afrika noch hohe Wachstumsraten und die Automärkte seien nicht gesättigt wie in den Industrieländern. Zudem würden immer mehr Menschen in Städten leben, wodurch auch der Transportbedarf steige, meint Kappel. „Man kann davon ausgehen, dass die Nachfrage deutlich ansteigt.“Noch ist die Zahl der Neuwagen, die in Afrika verkauft werden, extrem niedrig im Vergleich zu anderen Märkten

Noch ist die Zahl der Neuwagen, die in Afrika verkauft werden, extrem niedrig im Vergleich zu anderen Märkten

So hat der VDA vor kurzem verkündet, mit dem Afrikanischen Verband der Automobilhersteller (AAAM) zusammenzuarbeiten. „Jeder Markt hat seine eigenen Herausforderungen. Deswegen ist es für uns so wichtig, auf den Märkten früh präsent zu sein, Partnerschaften und Zulieferer zu erschließen, den Vertrieb zu entwickeln und die Besonderheiten der Märkte kennenzulernen. Und das ist das, was wir zusammen mit unseren afrikanischen Partnern zusammen tun“, so Scheel.

Wenig Neuwagen, viel Potential

Auf den ersten Blick erscheint das Potential für die Autobauer riesig zu sein. Zurzeit besitzen nur 44 von 1000 Afrikanern ein Auto. Zum Vergleich: in Europa sind es 602, in den USA sogar 830. Da 17 Prozent der Weltbevölkerung, also mehr als 1,3 Milliarden Menschen in Afrika leben, haben also auch in absoluten Zahlen nur sehr wenige ein eigenes Auto. So gesehen hat der Kontinent ein immenses Potential für den Autoabsatz. Zumal die Bevölkerung weiter wächst.

Wenn da nicht die Sache mit der Kaufkraft wäre. Schon jetzt gebe es eine Mittelschicht, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Robert Kappel von der Universität Leipzig. Die ist nach Daten der Afrikanischen Entwicklungsbank rund 300 Millionen Menschen stark. „Aber die meisten davon gehören zur unteren Mittelschicht. Sie können sich neue Autos eigentlich nicht leisten“, wendet Kappel ein.

Das erklärt auch, warum rund 80 Prozent der Autos auf Afrikas Straßen alte Gebrauchtwagen aus den Industrieländern sind.

Während die über 1,3 Milliarden Chinesen 2019 fast 21 Millionen neue Pkw kauften, wurden in Afrika weniger als eine Million Neuwagen abgesetzt. Auch der Ausblick ist nicht groß. „Wenn die Voraussetzungen stimmen, liegt Afrikas Potenzial für Neuwagen bei bis zu fünf Millionen Neuwagen pro Jahr“, schätzt Thomas Schäfer, der frühere Geschäftsführer von Volkswagen South Africa und Vorsitzender des AAAM.

Südafrika ist der Hauptproduzent in Afrika

Bislang werden die Pkws internationaler Konzerne nur in wenigen Ländern fabriziert. Knapp die Hälfte der produzierten Autos (rund 349.000) laufen in Südafrika vom Band – fast alle von deutschen Autobauern: BMW, Daimler und Volkswagen.

Nur wenig mehr Fahrzeuge werden in Marokko zusammengebaut. Sehr kleine Produktionsstätten finden sich außerdem in Ägypten. In Kenia produziert VW seit 2016. Daneben hat der Konzern auch Äthiopien, Nigeria und Ghana im Blick. In Ruanda testet der Volkswagenkonzern im Rahmen eines Pilotprojektes E-Mobilität.Der Großteil der Autoproduktion findet in zwei Ländern statt

Nicht nur Produktion, sondern auch Mobilität im Auge

Wie in den Industrieländern, geht es den Autobauern auch in Afrika nicht nur um die Produktion von Autos. „Die Frage ist, ob das eine Auto für den einen Haushalt noch die Lösung der Zukunft ist oder ob es nicht auch um neue Formen von Mobilität geht“, sagt Christoph Kannengießer vom Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft. Es geht also weniger darum, ob sich ein Mensch ein Auto leisten können, sondern darum, ob sich ein Mensch automobile Mobilität leisten kann.

In Kigali, der Hauptstadt Ruandas, testet VW sein Mobilitätskonzept Move. Wer kein Auto hat, kann sich eins mieten oder sie wie bei einem Taxi von einem Fahrer abholen lassen. Rund 40.000 Nutzer haben sich bereits die App Move Ride heruntergeladen. Ähnliches überlegt Volkswagen in Ghana anzubieten.

Voraussetzungen für Automarkt in Afrika

Damit der Automarkt in Afrikas Ländern in Schwung kommt, müssen bessere Voraussetzungen geschaffen werden. Einen Schritt hat Marokko gemacht, in dem es den Import von gebrauchten Autos reglementiert hat und in den Ausbau der Infrastruktur investiert. Auch andere Länder wie Ghana wollen nicht mehr die Flut gebrauchter, veralteter Wagen in ihr Land lassen und haben den Import von Gebrauchtwagen eingeschränkt. Ghana bietet zudem Autoproduzenten zehn Jahre Steuerfreiheit.

Infografik Handel mit Gebrauchtwagen nach Afrika DE

Wichtig für deutsche Autobauer und auch Zulieferer ist vor allem die Größe des Marktes, weil sie bestimmte Stückzahlen brauchen, damit sich die Produktion lohnt. Afrika, das sind aber 54, überwiegend kleine Länder. „Für die industrielle Produktion müssen die lokalen Nachfragen gebündelt werden“, sagt Christoph Kannengießer vom Afrika Verein. „Ein Automobil-Werk für die Nachfrage eines Landes macht in Afrika keinen Sinn.“

„Die Märkte sind noch sehr wenig entwickelt“, sagt auch Kurt-Christian Scheel, Geschäftsführer des VDA, „auch die Infrastruktur und der Handel zwischen den afrikanischen Staaten ist derzeit noch sehr wenig entwickelt, sodass es sehr schwierig ist, die Märkte in den einzelnen afrikanischen Staaten zu bedienen.“

Freihandelszone wäre Sprung nach vorne für Autoindustrie

Daher wäre es wichtig, Wirtschaftsgemeinschaften zwischen Ländern zu bilden und Handelshindernisse zu beseitigen. Die am Neujahrstag 2021 gestartete African Continental Free Trade Association (AfCFTA)könnte dabei ein Schritt vorwärts bedeuten. Der Plan: Rund 90 Prozent der Zölle sollen in den kommenden Jahren abgebaut werden. „Ich glaube schon, dass wir in acht bis zehn Jahren ganz andere Verhältnisse auf dem afrikanischen Kontinent sehen, was den einen afrikanischen Handel angeht und auch den Zugang zu Afrika als Markt, als Ganzes“, glaubt Kannengießer.

Afrikanische Autobauer in Europa kaum bekannt

Allerdings könnte man sich schon fragen, ob es aus afrikanischer Sicht nicht sinnvoller ist, eine eigene Autoproduktion aufzubauen – wie es Indien oder China gemacht haben, anstatt dass ausländische Konzerne die Gewinnmargen abschöpfen. Erste Ansätze gibt es bereits. In Kenia produziert Mobius Motors robuste SUVs für den lokalen Bedarf.

In Uganga wurde 2014 Kiira Motors gegründet. Es ist zu 96 Prozent in Staatsbesitz, der Rest gehört der Makerere Universität von Kampala. Es hat bislang einen solarbetriebenen Bus, ein Elektroauto und ein Hypbridauto im Angebot.

In Nigeria produziert Innoson Vehicle Manufacturing, kurz: IVM. Und in Ghana wurde 1998 Kantanka Automobile gegründet. Das Konzept von Kantanka ist vergleichbar mit demjenigen von Innoson aus Nigeria. Das Unternehmen bezieht vorgefertigte Teile aus China. Die Endmontage erfolgt dann in der lokalen Produktionsstätte. Aber alle afrikanischen Produzenten haben eines gemeinsam: Sie produzieren homöopathisch kleine Auflagen.

Ohne das Ausland geht es kaum

Eine eigene Automobilproduktion aufzubauen, sei sehr schwierig, meint Kappel. Man brauche dafür Kooperationspartner, Ingenieure und Vertriebsstrukturen. Das zeige sich schon daran, dass nur in Südafrika, Autos vollständig produziert würden. In anderen Fabriken würden vor allem aus dem Ausland importierte Teile zusammengebaut. Kappel meint daher, es wäre für Afrika sinnvoll, dem Beispiel Chinas zu folgen, nämlich Joint Ventures mit ausländischen Unternehmen zu machen. Auf diese Weise könne sich eine eigenständige Autoindustrie sich entwickeln und vor allem auch die Wertschöpfungstiefe erhöhen.

Auch beim VDA betont man, das heimische Produzenten einbezogen werden sollen. „Überall, wo es möglich ist, arbeiten wir mit afrikanischen Akteuren sowohl im Vertrieb als auch bei den Zulieferern zusammen und bemühen uns auch, das intensiv auszubauen“, so Scheel. In Südafrika scheint das schon ganz gut umgesetzt worden zu sein. Hier produzieren sieben internationale Hersteller seit Jahrzehnten und haben eine vielfältige Zulieferer-Landschaft entstehen lassen, heißt es von Germany Trade & Invest (GTAI), ein bundeseigenes Unternehmen zur Förderung des Außenhandels. Zusammen beschäftigen Hersteller und Zulieferer über 110.000 Arbeitskräfte. Fahrzeuge, Kfz-Teile und Komponenten machen knapp 30 Prozent der Wertschöpfung des produzierenden Gewerbes aus und trugen 2018 knapp sieben Prozent zum südafrikanischen Bruttoinlandsprodukt bei.

O impacto da Primavera Árabe na África Subsaariana

O impacto da Primavera Árabe na África Subsaariana

Deutsche Welle 17.12.2020

https://www.dw.com/pt-002/o-impacto-da-primavera-%C3%A1rabe-na-%C3%A1frica-subsaariana/a-55970583

Flash-Galerie Arabischer Frühling Jahresrückblick Syrien (picture-alliance/dpa)

A revolução que mudou para sempre o Médio Oriente completa dez anos. Entretanto, segundo analistas, a probabilidade de uma „Primavera Africana“ é pequena diante do retrocesso da democracia em alguns países africanos. …

Questionado se pode a região, ainda assim, temer uma „Primavera Africana“, Gilbert Achcar, professor de Relações Internacionais na Faculdade de Estudos Orientais e Africanos da Universidade de Londres, diz que não.

„Os países da África Subsaariana não têm a mesma crise estrutural que existia nos países de língua árabe. Os países do Médio Oriente e norte de África tiveram a maior taxa de desemprego juvenil do mundo durante várias décadas. A magnitude da crise não é igual à que se vive nos países da África Subsaariana. Aqui, há lutas por política e eleições, mas é diferente de um movimento que visa derrubar todo o sistema“, explica. 

Também na opinião de Robert Kappel, a probabilidade de existir uma „Primavera Africana“ é pequena, mas não pelos melhores motivos. É que, segundo este especialista, existe atualmente um  „retrocesso do movimento democrático em alguns países africanos“.

„O armamento maciço da polícia, o comportamento autoritário, o espezinhar dos direitos constitucionais como aconteceu na Costa do Marfim, para que o Presidente se pudesse recandidatar, está a fazer recuar os movimentos democráticos“, conclui.

Hat der Arabische Frühling Afrika inspiriert?

Hat der Arabische Frühling Afrika inspiriert?
Deutsche Welle 15.12.2020

Vor zehn Jahren entfachte der Selbstmord eines Tunesiers eine Protestwelle, die arabische Machthaber aus dem Amt fegte. Ein „afrikanischer Frühling“ ist trotz vieler ähnlicher Probleme aber ausgeblieben. Warum?

gesamter Bericht hier. https://www.dw.com/de/hat-der-arabische-fr%C3%BChling-afrika-inspiriert/a-55949102

Für einen „Afrikanischen Frühling“ fehlten die grundsätzlichen Voraussetzungen, sagt Gilbert Achcar, Professor für Internationale Beziehungen an der SOAS-Universität London. „Länder in Subsahara-Afrika haben nicht die gleiche Strukturkrise“, so Achcar zur DW. Die Jugendarbeitslosigkeit im Nahen Osten und in Nordafrika ist laut dem US-Thinktank Brookings seit über 25 Jahren die höchste der Welt. 2017 lag sie bei 30 Prozent. Acar: „In den afrikanischen Ländern gibt es Kämpfe und Streit um Politik und Wahlen, aber das ist etwas anderes als eine Bewegung, die darauf abzielt, das ganze System zu stürzen.“

Sein deutscher Kollege Kappel warnt vor einem gefährlichen Trend, der einen „Afrikanischen Frühling“ noch unwahrscheinlicher macht. Sein düsteres Fazit: „Massive Aufrüstung der Polizei, autoritäres Gehabe, Verfassungsrechte, die wie in der Elfenbeinküste oder Ruanda außer Kraft gesetzt werden, die Unterdrückung jeder Forderung nach Demokratie – wir haben in einigen afrikanischen Ländern einen Rollback der Demokratiebewegung.“

Why the Arab Spring never engulfed sub-Saharan Africa

Why the Arab Spring never engulfed sub-Saharan Africa
Deutsche Welle 16.12.2020

BG Frauen im Sudan

A decade ago, a wave of protests swept across North Africa in what came to be known as the Arab Spring, bringing down Arab rulers with it. Despite facing similar challenges, an „African Spring“ has not happened.

https://www.dw.com/en/why-the-arab-spring-never-engulfed-sub-saharan-africa/a-55961345

Kappel’s grim conclusion of the situation is that „massive armament of the police, authoritarian behavior, constitutional rights that are trodden upon as is the case in Ivory Coast and Rwanda, rolls back democracy movements and agitators.“

However, Kappel believes that even in countries that have been ruled in an authoritarian manner for decades, the spark of resistance could still awaken because there are still countries striving for more freedom and thus for their own ‚African spring

Corona und die Wirtschaft – „Afrika wird weit zurückgeworfen“

Corona und die Wirtschaft – „Afrika wird weit zurückgeworfen“

ZDF heute. Makro. 24.11.2020 22:26 Uhr
https://www.zdf.de/nachrichten/wirtschaft/corona-wirtschaftliche-situation-afrika-100.html

Afrika droht durch die Corona-Pandemie in eine wirtschaftliche Krise zu stürzen. Der Wirtschaftswissenschaftler Robert Kappel über die aktuelle Lage und die Verantwortung Europas. 

makro: Wie hart trifft die Corona-Pandemie den afrikanischen Kontinent?

Robert Kappel: Die meisten afrikanischen Länder haben die Coronakrise recht gut gemeistert. Aber die wirtschaftliche Krise in Europa, China und den USA drückt das wirtschaftliche Wachstum Afrikas. Die Lieferketten mit ausländischen Unternehmen sind unterbrochen worden.

Exporterlöse gehen deutlich zurück, die Deviseneinnahmen verringern sich und die Steuereinnahmen und Rücküberweisungen von Exil-Afrikanern fallen.

Hinzu kommt der Einbruch des Tourismus. Millionen von Menschen fehlen die Einnahmequellen.

makro: Die Internationale Arbeitsorganisation ILO rechnet in Afrika mit einem Verlust von 19 bis 22 Millionen Arbeitsplätzen durch die Pandemie. Würde das die Fortschritte zunichtemachen, die über viele Jahre bei der Armutsbekämpfung erzielt wurden.

Kappel: ….